Die Innenstadt als unser Wohnzimmer

Die Diskussion um die Belebung der Innenstadt flammt immer wieder auf. Einfache Lösungen gibt es nicht und die Meinungen sind gespalten, doch in einem sind sich alle einig: eine ausgestorbene Innenstadt, oder eine, die nur durch große Einkaufsketten belebt wird, will niemand. Durch die enorm hohen Mieten wird es für viele BesitzerInnen von kleinen Läden immer schwieriger sich über Wasser zu halten. So einige mussten die Innenstadt deshalb bereits verlassen. Einfluß auf die Mieten hat die Stadt nicht. Zusätzlich wächst bedingt durch den Onlinehandel der Preisdruck. Dank dem Internet ist der Preisvergleich für KäuferInnen einfacher geworden. Die Versuchung sich im Laden beraten zu lassen, um dann Online zu kaufen ist groß.

Was können die Stadt und wir diesen Herausforderungen entgegensetzen? Hier gehen die Meinungen auseinander. Während die Stadtverwaltung auf Werbemaßnahmen setzt und darauf hofft, dass mehr zahlungskräftige SchweizerInnen kommen, möchten viele KonstanzerInnen gar nicht mehr in die Altstadt, weil es da “zu viele Schweizer gibt, die die Preise hochtreiben”. Autos sind willkommen, denn die vielen Einkäufe müssen ja transportiert werden. Dabei sind nicht nur Parkhäuser, sondern auch die Straßen im Paradies mit Autos mit ch-Schildern vollgestellt, was für Unmut bei den BewohnerInnen sorgt.

Aus unserer Sicht ist dieser Ansatz rückwärtsgewandt. Die Sachen mögen so in der Vergangenheit funktioniert haben, doch das tun sie lange nicht mehr. Die Zukunft braucht neue Lösungen. Wie wäre es, wenn wir uns die Innenstadt wie unser gemeinsames Wohnzimmer unter dem freien Himmel vorstellen, in dem wir gerne verweilen und wo Gäste willkommen sind? Wünschenswert sind aus unserer Sicht mit Pflanzen, Blumen und Sitzgelegenheiten aufgewertete Plätze, auf denen Menschen Eis essen, Bücher lesen und über das Wetter schwätzen. Plätze, auf denen die KleinkünstlerInnen und MusikerInnen willkommen sind. Und mit Blumen meinen wir sicher nicht die Corona-ähnlichen Plastikbälle, die über den Köpfen hängen. Die Ausdehnung der Gastronomie im Freien war der richtige Schritt. Sie darf sich weiterhin ausdehnen, das schafft Atmosphäre. Aber auch hübsche Ecken, wo man das mitgebrachte Brötchen genießen kann, dürfen nicht fehlen. Denn die Belebung der Innenstadt darf nicht nur durch Konsum erfolgen.

Weniger Autos in der Innenstadt würden mehr Platz für Menschen bedeuten. Wir sind davon überzeugt, dass ein Autofreier Tag mehr Flanierer, Bummler und potentielle Käufer in die Stadt ziehen würde, als er abschreckt. Und bevor man das tot diskutiert, sollte man das einfach ausprobieren. Seit Jahren versucht das JFK einen Autofreien Tag zur Probe durchzusetzen, bis jetzt leider mit wenig Erfolg. Die rechtliche Lage sei eingeschränkt, man brauche eine Veranstaltung, um Straßen sperren zu dürfen. Doch wo der Wille ist, ist auch ein Weg. Ist vielleicht einfach nicht genug Wille von Seiten der Stadt da?

Wir dürfen nicht vergessen, dass von jedem von uns abhängt, wie unser gemeinsames Wohnzimmer aussieht. Was ist, wenn du und ich mit dem Fahrrad in die Stadt fahren? Wenn wir mal die Schuhe im Laden kaufen und nicht Online?  Wenn die VermieterInnen die Miete nicht anhebt? Wenn wir das selber in die Hand nehmen und Blumen pflanzen? Ideen, was wir für die Innenstadt tun können und tatkräftige Unterstützung sind willkommen!

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