Offener Brief zum Thema Flugplatz Konstanz

17. September 2017

WIR DÜRFEN UNSERE ZUKUNFT NICHT VERBAUEN

2017 soll eine Entscheidung um den Flugplatz Konstanz getroffen werden. Das Junge Forum Konstanz (JFK) ruft dazu auf, die Schließung des Flugplatzes zu verhindern und eine öffentliche Debatte über die Entwicklung und die Nutzung der Potenziale des Konstanzer Verkehrslandeplatzes für die Zukunft zu führen. Das JFK ist der Ansicht, dass der Flugplatz mehr Chancen und mehr Mehrwert für die Einwohner der Stadt sowie die Konstanzer Unternehmer bietet, als dies eine neue Gewerbefläche täte, und er aus diesem Grund eine wichtige Rolle in der zukünftigen Entwicklung der Stadt Konstanz spielen kann und soll. Nicht nur soll die Gefahr der Schließung des Flugplatzes endgültig aus der Welt geschafft werden; die neuen Vertragsbedingungen sollen dafür sorgen, dass die Weiterentwicklung des Flugplatzes für die Wirtschaft und Forschung attraktiv wird. Eine langfristige Planung soll für Konstanzer Unternehmen, auch für solche, die nicht direkt am Flugplatz angesiedelt sind, ermöglicht werden, damit diese am und in den Flugplatz und seine Infrastruktur investieren können.

Kleiner Flugplatz mit großem Potential, Bild Anna Glad

Schlüsselwort Mobilität

Konstanz ist idyllisch gelegen, doch verkehrstechnisch gesehen lässt die Anbindung der Stadt viel zu wünschen übrig. Gerade in einer solchen Situation ist ein Verkehrslandeplatz ein wichtiger wirtschaftlicher Pluspunkt. Heute gibt es europaweit ca. 3.000 Verkehrslandeplätze, die mit einem Klein- oder Geschäfts-flugzeug erreicht werden können. Oft ist ein Hin- und Rückflug innerhalb eines Tages da möglich, wo es mit dem Auto oder mit dem Zug nicht machbar ist. Die rasante Entwicklung der Drohnentechnologie öffnet neue Horizonte für die Wirtschaft und für die Bürger. Drohnentransporte sind längst keine Sciencefiction mehr: Seit 2016 testet der weltgrößte Online-Händler Amazon in Großbritannien die Auslieferung von Waren mit Hilfe von Drohnen. Ab 2017 beginnen in Dubai Taxi-Drohnen-Tests. Heute ist der perfekte Zeitpunkt für Konstanz, sich mit den Mobilitätskonzepten der nahen Zukunft auseinander-zusetzen und sich dadurch wesentliche wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen. Der Flugplatz bietet die ideale Basis für die Umsetzung dieser Konzepte.

Ein Spielplatz für Kaffeeflieger oder ein Alles-Könner?

Die Rolle des Flugplatzes Konstanz wird oft auf einen Spielplatz für Reiche reduziert. Dabei nützt der Flugplatz aktuell in erster Linie der Sicherheit, der Wissenschaft und den Einwohnern der Stadt. Sowohl Polizei, als auch Grenzschutz und Rettungsdienste nutzen ihn regelmäßig für Standard-, Überwachungs- und Notfalleinsätze. Aktuell finden jährlich ca. 240 solche Einsätze statt. Viele technische Projekte der Universität Konstanz und der HTWG Konstanz werden auf dem Gelände des Flugplatzes durchgeführt. Einige bedeutende Projekte des Max-Planck-Instituts für Ornithologie sind von einem Flugzeug am Flugplatz Konstanz abhängig. Nicht zuletzt übt der Flugplatz derzeit eine Schutzfunktion für eine Luftraumabsenkung aus. Sollte der Flugplatz geschlossen werden, wäre es möglich, den Luftraum abzusenken, was zu einer Lärmerhöhung durch große Verkehrsflugzeuge führen könnte.

Wissenschaftsstandort und Innovationsregion Konstanz

Laut Prof. Dr. Martin Wikelski, Professor für Ornithologie an der Universität Konstanz und Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie Radolfzell, einem der führenden Ornithologen weltweit, haben seine Forschungen “bisher allein von der Deutschen Luft- und Raumfahrtagentur mehr als 20 Millionen € in den Wirtschaftsraum Bodensee gebracht”. Nach seinen Einschätzungen wird die Max-Planck Gesellschaft über die nächsten 25 Jahre mindestens 60 Mio € investieren. Die Vision von Prof. Dr. Martin Wikelski ist die Entwicklungs-möglichkeiten der Innovationsregion Konstanz zu nutzen und den Flughafen so auszubauen, dass er als Basis für einen neu einzurichtenden Lehrstuhl zwischen HTWG und Uni Konstanz für ‚Angewandte Luft und Raumfahrt‘ genutzt werden könnte. Dies würde die Region Konstanz attraktiver für internationale Unternehmen wie Raumfahrtunternehmen, Google, Dronen-hersteller usw. machen und den lokal ansässigen Unternehmen neue Businessfelder eröffnen. Forscher sind auf eine zukunftsträchtige Flugplatz-Infrastuktur angewiesen. Sollte Konstanz sich aus kurzfristigen Überlegungen entscheiden eine strategische Entwicklungsmöglichkeit zu schließen, würde sich dies auf den Aufbau eines Forschungszentrums negativ auswirken. Die Forschungen und die Forschungsgelder müssten an einen Ort mit Verkehrslandeplatz verlagert werden.

Der aktuelle Stand

Die Stadt Konstanz hält 58,9 Prozent der Anteile am Flugplatz und verpachtet das Gelände zusammen mit den restlichen elf Eignern. Der Pachtvertrag kann mit einer Option auf weitere fünf Jahre verlängert werden. Es gibt, wenn die Fläche seitens der Stadt benötigt wird, eine Kündigungsfrist von nur einem Jahr. Diese kurzfristig orientierte „Reserve“-Taktik gewährt keine Investitionssicherheit und macht den Flugplatz unattraktiv für Unternehmen.

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2 Kommentare

  1. Bruno Neidhart

    Als ich noch in Konstanz lebte – heute Berlin – unterschrieb ich die Petition „Pro Flugplatz“. Gleichzeitig erwähnte ich, dass der Flugplatz nur dann eine grössere wirtschaftliche Bedeutung erlangen könnte, wenn die gesamte Infrastruktur moderneren Erfordernissen angepasst würde. Ob der Flugplatz auf Dauer ohne eine befestigte Piste (z.B. 800×20, Asphlat, Flugzeuge bis 5.7 t Gewicht) und ohne eine neue Gebäude-Infrastruktur die prognostizierten Möglichkeiten zwischen Wirtschaft, Forschung, Touristik, Rettung, Sicherheit, usw. erfüllen könnte, ist hier die Frage. Darauf wäre mal grundsätzlich eine Antwort im Kontext „Flugplatz Konstanz erhalten“ sinnvoll, um genauer zu wissen, wovon man spricht. Die im Raum stehende Variante, das Flugfeld zugunsten eines Gewerbestreifens etwas zu verkleinern, ist m. E. denkbar und würde u.a. sogar Raum schaffen für „flugaffine“ Gewerbeansiedlungen.
    B.N.

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  2. anonym

    Es bestünde aktuell noch die Möglichkeit den Flugplatz in einen kleinen regionalen Flughafen umzuwandeln. Dazu müsste die Byk-Gulden-Straße, die den Flugplatz am Westen begrenzt, als Unterführung umgebaut werden. Dadurch könnte man eine Piste von 1,6 km hinbekommen (es müsste dann jedoch noch ein kleiner Teil des göldernen Mühlbachs zugebaut werden). Bei solch einer asphaltierten Piste könnten gar nicht mal so wenig konventionelle Flugzeugtypen landen bzw. starten: z.B. die De Havilland DHC-8 (ehemals Q400), das erfolgreichste Turboprop Flugzeug der Welt, das bis zu 86 Passagiere 2.000 km weit befördern kann. Es können aber auch Düsenflugzeuge landen, wie der Airbus A220-100 (ehemals Bomardier CS100), der bis zu 135 Passagiere 5.700 km weit befördern kann, oder die Embraer E190-E2, die bis zu 114 Passagiere 5.200 km weit befördern kann. Ebenfalls können so ziemlich alle Privatjets landen. Für ein kleines Flughafen Terminal ist ebenfalls genug Platz. Ich finde, dass Konstanz als größte Stadt am Bodensee definitiv einen konventionellen Flughafen bracht, da ebenfalls Fluggäste aus der Schweiz bis hin zu Freiburg im Breisgau interessiert wären. Viele Grüße!

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