Stellungnahme zum Einkaufs- und Dienstleistungszentrum in Singen

15. November 2015

Die Stadt Konstanz hat sich im HFA vom vergangenen Donnerstag entschieden, sich gegen das geplante Einkaufszentrum neben dem Bahnhof in Singen auszusprechen. Wie stehen wir dazu?

Ein Oberzentrum wie Konstanz kann eine Einschätzung über die Raumordnung abgeben und auch ein Gutachten überprüfen lassen. Eine gemeinsame Raumplanung macht auch durchaus Sinn, das Vorschreiben davon, was andere Städte dürfen und was nicht, allerdings nicht. Städte sollten gemeinsam beraten und auf die Chancen und Risiken hinweisen, aber immerhin hat Singen einen eigenen Gemeinderat, der entscheiden sollte, welches Gutachten das richtige ist und was Singen aushält und kann.

Dem Konstanzer Handel sollten wir aber mehr zutrauen als er es sich selbst tut: Objektiv gesehen ist Konstanz einfach schöner ist als Singen und da können wir nicht mal für alles etwas dafür, denn wir haben zum Beispiel das Glück, den See zu haben. Ein geschenkter Wettbewerbsvorteil für alle hier.

Unser OB drückt das anders aus, indem er sagt, wir sind Bundesliga. Herr Thiel vom Stadtmarketing hat dies auch so übernommen. Deswegen sollte dem Singener Gemeinderat die Entscheidung überlassen werden, ob ein derartig großes Einkaufszentrum für deren Stadt langfristig sinnvoll ist und bestehen kann. Eine Empfehlung, es nicht zu tun, kann Konstanz gerne geben, aber kein Verbot.

Um den Konstanzer Handel muss man sich zumindest wegen Singen keine Sorgen machen. Auf dem Wirtschaftskonzil war zu hören, man müsse sich schon saublöd anstellen, um hier keinen Erfolg zu haben.

Trotzdem ist die Sorge verständlich, dass das System durch Wechselkurs- oder auch die Mehrwertsteuer-Veränderungen ins Stocken geraten kann. Man könnte es aber auch die Hoffnung auf normale Verhältnisse nennen, denn wenn etwas abfließende Kaufkraft weniger Autos und Staus am Samstag bedeuten, sind die Konstanzer Bürger sicher nicht traurig.

Zukünftige Herausforderungen wie Währungsrisiken löst man aber nicht durch Besitzstandswahrung und Protektionismus.

Im Gegenteil, die vom Handel geäußerte Sorge, dass irgendwann wieder ein Kampf und Wettbewerb um deutsche Kunden entstehen wird, ist eigentlich die Hoffnung. Dieser Kampf sollte besser heute als morgen beginnen.

Viele deutsche Kunden bekommen mittlerweile fast täglich Pakete aus Online Shops und haben dabei durchaus neidische Blicke auf Städte, welche weder so voll noch so teuer sind wie Konstanz. Wörtlich sagte einer: Ich würde auch gerne mal ins Lago gehen, aber das kann man sich nicht antun. Und was mangelnder Wettbewerb bei Preisen auslöst, sieht man ja gut an den Tankstellen.

Hier also eine wirkliche Sorge um den Konstanzer Handel: mangelnder Wettbewerb macht Kreativität nicht notwendig und man verschläft die Zukunft. Kreativ wäre zum Beispiel eine Verknüpfung von on- und offline Handel. Beispiele dafür gibt es auch schon.

In Konstanz braucht momentan keiner diese Kreativität. Aber genau dies zu versäumen ist das Zukunftsrisiko und nicht der Versuch von Singen, Konstanz ein bisschen Kaufkraft zu entziehen.

Autor: Matthias Schäfer

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